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Kontaktdaten:
Fachhochschule Kufstein Tirol Bildungs GmbH
Prof. (FH) Dr. Dr. Mario Situm, MBA
Andreas Hofer-Straße 7
6330 Kufstein
Tel.:    +43/5372/718 19 - 147
Mob.: +43/664/885 868 03
Fax:    +43/5372/718 19 - 104
mail: mario.situm@fh-kufstein.ac.at
web: www.dr-situm.com

 

Hinweis:
Aus Gründen der leichteren Lesbarkeit wird auf eine geschlechterspezifische Unterscheidung, z. B. Mitarbeiter/Innen, verzichtet. Dementsprechende Formulierungen gelten im Sinne der Gleichbehandlung für beide Geschlechter.

IE MÖGLICHKEITEN DER EXTERNEN UND INTERNEN UNTERNEHMENSNACHFOLGE AUS DER SICHT VON KREDITINSTITUTEN

In Zusammenarbeit mit der Fachhochschule Salzburg, KMU-Management & Entrepreneurship, wurde die Problematik der Unternehmensnachfolge ausgehend aus den Ergebnissen der Studie von "MBO und MBI als Alternativen zu familieninternen Nachfolgelösungen, Krisen-, Sanierungs- und Insolvenzberatung, Jg. 11, H. 5, S. 207 - 213, Exler/Situm/Thurnbichler 2015" auf theoretischer Basis analysiert und die Aspekte der Unternehmenskrise, Unternehmensnachfolge mit der Kapitalstruktur des Unternehmens kombiniert. Ausgehend davon wurde die Hypothese aufgestellt, dass es möglich ist, eine "optimale Übergabe-Kapitalstruktur" für Familienunternehmen vor Übergabe zu berechnen, welche von der "optimalen Kapialstruktur" basierend auf der trade-off Theorie der Finanzierung abweicht. 

   

ABSTRACT:

Ausgangslage: In Anlehnung an die durchgeführte Studie von Exler/Situm/Thurnbichler (2015) wurden weiterführende theoretische Überlegungen angestellt, wie man die Rolle der Finanzinstitute im Nachfolgeprozess integrieren kann. Hierbei wurde von Aspekte der Unternehmenskrise, des Kreditrisikomanagements und der Unternehmensnachfolge kombiniert. Ausgangspunkt ist das Krisenphasenmodell nach IDW S 6, in welchem eine Stakeholderkrise den Start des Krisenphasenmodells bildet. Aus Sicht von Kreditinstituten stellt diese Phase bereits ein Risiko dar, da sich hier Potenzial für Konflikte ergibt, welche gerade bei Familienunternehmen auf Grund der bestehenden Koexistenz zwischen „Familie“ und „Unternehmen“ gegeben sind. Im Weiteren werden ein patriarchalischer Führungsstil als auch eine fehlende bzw. nicht umgesetzte Nachfolge als Krisenwarnindikatoren angesehen. Inwieweit treffen diese Aspekte Kreditinstitute und welche Auswirkungen können diese auf die Kapitalstruktur eines Familienunternehmens haben?

Ergebnisse: Die Qualität des Managements scheint aus Risikosicht die wichtigste Komponente zu sein. Der interne Nachfolger ist für das Kreditinstitut nicht bewertbar, weil hier klassische Probleme des Kreditrisikomanagements wie Informationsasymmetrie, moral hazard und adverse selection eintreten. Auf Grund des potenziell steigenden Risikos wird dies implizit im Rating des Unternehmens berücksichtigt bzw. bei der Verlängerung bestehender und bei Neugenehmigung neuer Linien auf Grund eines höheren Kreditaufschlags. Die höheren Kreditaufschläge können auf Grund des erhöhten Risikos (bankruptcy oder insolvency costs) erklärt werden. Ausgehend davon verliert ein Unternehmen, wenn es der klassischen trade-off Theorie der Finanzierung folgt, seine optimale Kapitalstruktur. Wenn diese einmal verloren ist, dann kann aus kurzfristiger Sicht keine Rückkehr zur optimalen Kapitalstruktur erfolgen, da sich sogenannte „adjustment costs“ ergeben, welche vor allem für Unternehmen in der Krise hoch sind.

Implikationen: Diese Ansätze haben weitreichende Auswirkungen auf Theorie und Praxis. Insgesamt kann gefolgert werden, dass man vor Übergabe an den Nachfolger die Kapitalstruktur nicht auf den „optimalen“ Punkt, sondern auf einen „sub-optimalen“ Punkt bringen sollte. Wenn von diesem sub-optimalen Punkt sich die obigen Veränderungen ergeben (Einführung von „bankruptcy costs“, Vorhandensein von „adjustment costs“), dann kommt das Unternehmen erst nach Übergabe in die optimale Kapitalstruktur. Indirekt bedeutet dies auch, dass vor der Nachfolge etwas an Unternehmenswert vernichtet werden muss, damit dieser nach Übergabe wieder den Maximalpunkt erreicht. Aus theoretischer Sicht heißt dies, dass sich die 1. Ableitung der Funktion aus obiger Abbildung wieder auf null stellt. Die sub-optimale Kapitalstruktur hat demnach eine Steigung aus der 1. Ableitung von kleiner oder größer Null. Aus praktischer Sicht kann geschlossen werden, dass es unter Berücksichtigung bestimmter Parameter eine „optimale Übergabe-Kapitalstruktur“ gibt.

Weiterführende Studien: In dieser ersten Studie wurde neben einer Analyse bestehender Arbeiten eine Hypothese entwickelt, welche weiterer Forschung bedarf. In diesem Zusammenhang sind folgende Punkte zu klären: a.) Nach welchem theoretischen Konzept optimieren Familienunternehmen ihre Kapitalstruktur? b.) Inwieweit sind indirekte „bankruptcy costs“ bei Familienunternehmen höher als bei Nicht-Familienunternehmen? c.) Kann man eine „optimale Übergabe-Kapitalstruktur“ für Familienunternehmen berechnen und kann diese empirisch validiert werden?
 
Publiziert in:
Situm, M., & Märk, S. (n. o.). The succession process from the perspective of financial institutions: A focused view on external vs. internal succession. International Journal of Entrepreneurship and Small Business [in Druck].

 
Die auf der RENT 2015 [XXIX Research in Entrepreneurship Conference] vorgestellte Präsentation finden Sie hier!

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