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Kontaktdaten:
Fachhochschule Kufstein Tirol Bildungs GmbH
Prof. (FH) Dr. Dr. Mario Situm, MBA
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6330 Kufstein
Tel.:    +43/5372/718 19 - 147
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web: www.dr-situm.com

 

Hinweis:
Aus Gründen der leichteren Lesbarkeit wird auf eine geschlechterspezifische Unterscheidung, z. B. Mitarbeiter/Innen, verzichtet. Dementsprechende Formulierungen gelten im Sinne der Gleichbehandlung für beide Geschlechter.

MBO UND MBI ALS ALTERNATIVEN ZU FAMILIENINTERNEN NACHFOLGELÖSUNGEN

Eine ungeregelte Unternehmensnachfolge bei Familienunternehmen ist aus Sicht von Kreditinstituten ein Signal für ein potenzielles Problem und wird damit auch als Indikation für eine Unternehmenskrise angesehen. Die aktuellen Zahlen zeigen deutlich, dass in den nächsten Jahren eine hohe Anzahl an Unternehmensübergaben ansteht und häufig ist es der Fall, dass eine familieninterne Nachfolgelösung aufgrund unterschiedlichster Gegebenheiten als nicht realisierbar erscheint. In derartigen Situationen ist es möglich, eine familienexterne Nachfolgelösung anzustreben, was schlussendlich den Verkauf des Familienunternehmens an einen Dritten bedeutet.
 

ABSTRACT:

Ausgangslage: In der betriebswirtschaftlichen Literatur wird beschrieben, dass man eine interne Unternehmensnachfolge frühzeitig planen und umsetzen sollte. Eine anstehende Nachfolge wird aus Sicht von Kreditinstituten als Krisenindikator gesehen und daher ist anzunehmen, dass bei einer frühzeitigen Einbindung das Ausfallsrisiko als geringer bewertet wird.

Ziel: Das Ziel der Studie war es festzustellen, inwieweit Kreditinstitute einer externen Nachfolgelösung bei einer Unternehmensnachfolge gegenüberstehen, wie attraktiv familienexterne Nachfolgemodelle im Vergleich untereinander sind und ob sich diese Einschätzungen verändern, wenn stabile Unternehmen mit Krisenunternehmen verglichen werden.

Methode/Ansatz: Es wurde eine Befragung (Fragebogen) bei deutschen und österreichischen Kreditinstituten vorgenommen. Neben Häufigkeitstabellen wurden auch Tests auf Differenzen basierend auf dem U-Test angewandt.

Ergebnisse: Die Ergebnisse zeigen, dass es aus Sicht der Kreditinstitute keine Präferenz zwischen internen und externen Nachfolgemodellen gibt. Sehr wohl werden aber den einzelnen Modellen unterschiedliche Erfolgsfaktoren zugeschrieben. Für die interne Nachfolge sprechen die Weiterführung des bestehenden Wertesystems und die Akzeptanz des Nachfolgers bei Kunden, Lieferanten als auch den Mitarbeitern. Bei der externen Nachfolge werden mehr Chancen im geringeren Konfliktpotenzial zwischen Übergeber und Übernehmer als auch im stärkeren Übernahmewillen des externen Nachfolgers gesehen. Die Favorisierung eines externen Nachfolgemodells (MBO, MBI, EBO, Fortführung mit Geschäftsführer, Verkauf an strategischen Investor und Verkauf an Finanzinvestor) hängt aus der Sicht von Kreditinstituten vom wirtschaftlichen Zustand eines Unternehmens ab. In der Krise (definiert nach den Kriterien des österreichischen URG) wird der Verkauf an den strategischen Investor, gefolgt durch eine Nachfolge durch MBI und dann durch MBO präferiert. Wenn es sich um ein stabiles Unternehmen handelt, dann sieht man die Nachfolge durch MBO, gefolgt von der Fortführung mit einem Geschäftsführer als attraktive Lösungen. Die Anzahl der abgeschlossenen Finanzierungen zu externen Nachfolgen ist in der Praxis noch relativ gering, jedoch ist davon auszugehen, dass die Nachfrage insgesamt steigen wird, da immer weniger Familienmitglieder bereit sind, eine Unternehmensnachfolge anzutreten.

Implikationen: Aus Sicht von Kreditinstituten macht es in der Bewertung des Risikos keinen Unterschied, ob die Nachfolge durch einen internen oder externen Übernehmer erfolgt. Die Bemühungen der frühzeitigen Einbindung eines Familienmitglieds in der Nachfolge sind zwar aus Sicht der Literatur und der Praxis zu empfehlen, können jedoch nicht dazu beitragen, dass die Nachfolge (extern/intern) an sich weiterhin als Risiko gesehen wird. Wenn eine externe Nachfolgelösung umgesetzt werden soll, dann haben Kreditinstitute abhängig von der wirtschaftlichen Situation des Unternehmens klare Präferenzen, welche mit ihren Interessen im Einklang stehen.

Weiterführende Studien: Die Ergebnisse zeigen, dass die Anzahl der genehmigten Finanzierungen zu externen Nachfolgen noch relativ gering sind. Nur ein geringer Anteil der Anfragen wird auch wirklich finanziert. Hier stellen sich die Fragen, warum dies gegeben ist und welche Bedingungen erfüllt sein müssen, damit externe Nachfolgemodelle einfacher finanziert werden können. 
  

Abb: Rangfolge der Präferenz für ausgewählte Nachfolgemodelle aus Sicht von Kreditinstituten für die beiden wirtschaftlichen Zustände "wirtschaftliche stabil" und "in der Krise" (Exler/Situm/Thurnbichler 2015, S. 210)

 
Publiziert in:
Exler, M. W., Situm, M., & Thurnbichler, R. (2015). MBO und MBI als Alternativen zu familieninternen Nachfolgelösungen: Eine Analyse zur Sicht von Kreditinstituten in Deutschland und Österreich. Krisen-, Sanierungs- und Insolvenzberatung, 11(5), 207–213.

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