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Kontaktdaten:
Fachhochschule Kufstein Tirol Bildungs GmbH
Prof. (FH) Dr. Dr. Mario Situm, MBA
Andreas Hofer-Straße 7
6330 Kufstein
Tel.:    +43/5372/718 19 - 147
Mob.: +43/664/885 868 03
Fax:    +43/5372/718 19 - 104
mail: mario.situm@fh-kufstein.ac.at
web: www.dr-situm.com

 

Hinweis:
Aus Gründen der leichteren Lesbarkeit wird auf eine geschlechterspezifische Unterscheidung, z. B. Mitarbeiter/Innen, verzichtet. Dementsprechende Formulierungen gelten im Sinne der Gleichbehandlung für beide Geschlechter.

DIE DIVERGENZ ZWISCHEN UNTERNEHMENSERFOLG UND KRISE: TRENNUNG ZWISCHEN ERHOLTEN UND GESUNDEN UNTERNEHMEN 
   
Unternehmen in der Krise können über bestimmte Maßnahmen wieder in einen stabilen Zustand überführt werden. Dennoch schaffen es bestimmte Unternehmen nicht, die Krise zu überwinden, verschlechtern ihren wirtschaftlichen Zustand und laufen Gefahr, in die Insolvenz zu gehen. Aus Sicht von unterschiedlichen Stakeholdern ist es daher von Interesse frühzeitig zu erkennen, welche Unternehmen ein Potenzial für einen erfolgreichen Turnaround haben und welche nicht. Eine klare Antwort hierfür ist in empirischen Studien nicht zu finden, sodass im Zuge dieser Studie drei wirtschaftliche Zustände von Unternehmen untersucht wurden, um fest zustellen, wie sich diese in Jahresabschlusszahlen, im Benchmarking zu Branchenkennzahlen als auch in der Insolvenzquote bezogen auf die Branche eines Unternehmens unterscheiden.

 

ABSTRACT:

Ausgangslage: Die finanzielle und wirtschaftliche Situation eines Unternehmens kann mehrere Stadien der Gesundheit einnehmen, welche jedoch mit dem aktuellen Stand der Wissenschaft nicht direkt beobachtet werden können. Auch nach mehreren Jahrzehnten der Forschung kann der Krisenzustand eines Unternehmens nicht gemessen werden bzw. der Krisenentwicklungsprozess verlässlich und auf einer Theorie basierend erklärt werden.

Ziel: In dieser Studie wurden Unternehmen in drei Zustände eingeteilt: 1.) gesunde Unternehmen, 2.) Unternehmen, welche den Turnaround erfolgreich abgeschlossen haben und 3.) Unternehmen, welche den Turnaround nicht erfolgreich abgeschlossen haben. Als Trennkriterium wurde die Kennzahl NI/TA (Net income/total assets) bereinigt um die jährliche Inflationsrate verwendet. Es galt heraus zu finden, inwieweit sich die Zustände der Unternehmen auf Grund Jahresabschlusszahlen, Branchenbenchmarkings als auch der Insolvenzrate je Branche unterscheiden. Zudem sollte festgestellt werden, ob eine Bereinigung von Profitabilitätskennzahlen um die jährliche Inflationsrate zu einer Verbesserung der Trennung zwischen den einzelnen Unternehmenszuständen beitragen kann.

Methode/Ansatz: Ausgehend von früheren Studienergebnissen wurden ausgewählte Kennzahlen der Jahresabschlussanalyse, das Verhältnis ausgewählter Jahresabschlusszahlen zum Median der betreffenden Jahresabschlusszahl der Branche als auch der Beitrag der Branche zum BIP-Wachstum in Österreich (modelliert als Dummy Variable zur Replikation der Insolvenzrate einer Branche) berechnet. Kennzahlen der Profitabilität wurden um jährlich Inflationsraten in Österreich bereinigt. Zur Feststellung der Unterschiede der einzelnen Unternehmenszustände wurden lineare Diskriminanzfunktionen berechnet.

Ergebnisse: Die Anwendung von inflationsbereinigten Jahresabschlusszahlen zur Trennung zwischen den Unternehmensgruppen konnte zu keiner Verbesserung der Trenngenauigkeit beitragen. Gesunde und erfolgreich restrukturierte Unternehmen haben eine höhere Profitabilität als auch ein höheres Eigenkapital im Vergleich zu nicht erfolgreich restrukturierten Unternehmen. Wenn Branchenkennzahlen zusätzlich berücksichtig werden, dann kann die Modellqualität und –genauigkeit verbessert werden. Allgemein kann festgestellt werden, dass zwei Jahre nach Erkennen der Unternehmenskrise eine Trennung zwischen gesunden und erfolgreich restrukturierten Unternehmen nicht möglich ist, was darauf hindeutet, dass beide Unternehmensgruppen eine ähnliche Performance besitzen.

Implikationen: Um ein Unternehmen aus der Krise zu führen, ist es angesichts der Ergebnisse erforderlich, die Profitabilität als auch Eigenkapitalquote des angeschlagenen Unternehmens kurzfristig zu verbessern. Die Profitabilität sollte dabei aber nicht auf nominaler, sondern auf realer Ebene gemessen werden (also adjustiert um die jährliche Inflationsrate). Nur wenn die reale Profitabilität positiv ist, kann eher von einem erfolgreichen Turnaround gesprochen werden. Im Weiteren sollte die Performance (Profitabilität) des zu restrukturierenden Unternehmens immer mit dem Median der Branche verglichen werden. Ziel muss es sein, über dem  Branchenbenchmark zu liegen. Eine Relevanz der Insolvenzquote der Branche, in welchem das angeschlagene Unternehmen operiert, konnte im Zuge dieser Studie nicht festgestellt werden. Ungeachtet dessen ist es für Manager einfacher ein Unternehmen aus einer Krise zu führen, wenn dieses in einer wachsenden Branche operiert.

Weiterführende Studien: Die Ergebnisse zeigen auf, dass es weitere Bemühungen braucht, um eine verbesserte Trennbarkeit von unterschiedlichen Gesundheitszuständen für Unternehmen zu erreichen. Dabei geht es darum, einen Indikator bzw. eine Kombination von Indikatoren zu finden, mit welchem a-priori Unternehmen möglichst genau in definierte Gesundheitszustände eingeteilt werden können.

Publiziert in:
Situm, M. (2016). The divergence between corporate success and crisis: The separability of recovered and healthy companiesThe Macrotheme Review, 5(4), 49-80.
  
Die auf der 5th Business and Social Science Research Conference vorgestellte Präsentation finden Sie hier!

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